Himmel vs. Flugmechanik

Auch ohne Motor können eine Vielzahl von Kunstflugmanövern ausgeführt werden, indem der Pilot die Höhe (potenzielle Energie) und die Geschwindigkeit (kinetische Energie) seines Flugzeugs ausnutzt. Die "Kunst" dabei besteht darin, mit der verfügbaren Energie möglichst effizient umzugehen und das Flugzeug in allen Lagen möglichst präzise und elegant zu steuern.

Genau wie die Motorkunstflieger kennen wir im Segelkunstflug eine Reihe von Grundfiguren wie z.B. Looping, Renversement und Rolle. Diese Basisfiguren können zu komplexeren Figuren kombiniert werden und eine festgelegte Abfolge von Figuren bilden ein Kunstflugprogramm.

Im Wettbewerbskunstflug fliegt der Pilot entweder ein Pflichtprogramm oder eine Kür, die er nach bestimmten Kriterien selbst konzipiert hat, vor einem Gremium von Punktrichtern, die für jede Figur Noten vergeben.
Das Video von einem Trainingsflug des Unlimited - Weltmeisters 2012, Maciej Pospieszynski, vermittelt einen Eindruck davon, welche enorme körperliche Leistung ein Spitzenpilot dabei erbringen muss.

Im Gegensatz dazu kennt wohl jeder die Kunstflugvorführungen, die bei Flugschauen gezeigt werden. Hier kommt es nicht darauf an, möglichst exakt nach strengen Regeln zu fliegen, vielmehr wird versucht, den Zuschauern ein möglichst sensationelles Spektakel zu bieten.

Wirkliche Spitzenkönner des Motorkunstflugs fliegen Freestyle-Programme, bei denen man glauben möchte, die Gesetze der Flugmechanik wären aufgehoben.
Ohne Motor sind solche Kunststücke nur in engen Grenzen möglich. Deshalb liegt bei einem Schauprogramm im Segelkunstflug die Betonung auf Eleganz und Harmonie. Das lautlose Gleiten, mit Rauch und Musikbegleitung, gekonnt vorgeflogen, ist ein einmaliger ästhetischer Genuss. Dazu gibt es ein sehenswertes Video, in dem der siebenfache Weltmeister Jurek Makula sein Showprogramm vorfliegt.

Text: Manfred Echter, Schweiz